Die Zollwertberechnung und ihre Tücken

Die Zollwertanmeldung bleibt ein brisantes Thema und wird uns noch in vielen weiteren Beiträgen beschäftigen. Für den Importeur von Nicht-Unionswaren aus Drittländern war es schon immer wichtig zu wissen, welche Kosten bzw. Hinzurechnungen  zum Zollwert gehören und welche unter Umständen vernachlässigt werden können.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Hinzurechnungen zum Zollwert erhöhen die Einfuhrabgaben. Das ist nichts Neues. Werden bestimmte Zuschläge nicht in die Zollwertberechnung mit einbezogen, steckt zwar meist keine böse Absicht, sondern Unwissenheit dahinter. Die Folgen für das Unternehmen können dennoch unangenehm sein, insbesondere wenn dies zu Nachentrichtungen von Einfuhrabgaben führt.

Vor allem, da die Prüfdienste des Zolls seit dem 1. Mai 2016 ihr Augenmerk vermehrt auf bestimmte Kosten, die zum Zollwert gehören bzw. dem Rechnungsbetrag hinzuzurechnen sind, legen.

Welche Beträge werden bei der  Zollwertberechnung oft übersehen?

  • Anzahlungen
    Wichtig: Anzahlungen gehören zum Rechnungspreis und müssen in der D.V.1 (Zollwertanmeldung) unbedingt berücksichtigt werden.
  • Zahlungen
    Zum tatsächlich gezahlten oder zu zahlenden Preis rechnen Sie alle Zahlungen mit ein, die Ihnen, also vom Käufer, als Bedingung für den Verkauf der Importware an nachfolgende Personen tatsächlich geleistet worden ist oder noch zu leisten ist
  • Zahlungen an einen Dritten, wenn dies zugunsten des Verkäufers geschieht
  • Zahlungen an einen mit dem Verkäufer verbundenen Dritten oder
  • an einen Dritten, wenn denn die Zahlung zu einer Verpflichtung des Verkäufers gegenüber dem Dritten erfolgt
    Berücksichtigen Sie, dass der Unionszollkodex unter Zahlungen nicht nur die Zahlungsmittel Bargeld oder unbare Überweisungen versteht, auch Kreditbriefe oder verkehrsfähige Wertpapiere gehören dazu.
  • Zusätzliche Beförderungskosten
    Diese spielen eine immer größere Rolle und werden gerne übersehen. Gemeint sind hier nicht nur Versicherungskosten, die in der Regel komplett zum Zollwert hinzuzurechnen sind. Speziell Treibstoffkosten, die von Frachtflugzeugbetreibern zusätzlich erhoben werden, stehen hier für die Prüfdienste besonders im Fokus.
  • Werkkosten
    Diese sollten im Einzelfall geprüft werden, denn abgespalten vom Kaufpreis gehören diese zum Zollwert, wenn z. B. Maschinen umgerüstet werden.
  • Analysekosten
    Diese gehören zum Zollwert, wenn sie Gegenstand zum Kaufpreis sind, insbesondere wenn die Analyse erstmalig erfolgt.
    Hinweis: Der Kaufpreis ist damit grundsätzlich der vom Käufer an den Verkäufer noch zu bezahlende oder bereits bezahlte Bruttorechnungspreis. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die vereinbarte Summe unmittelbar an den Verkäufer zu leisten ist oder an ihn in mittelbarer Form durch Zahlungen an eine dritte Person ergeht bzw. ergehen soll.
  • Beistellungen für die Entwicklung
    Sie fließen in den Zollwert mit ein, beispielsweise für Schnitt-Schablonen für Kleiderschnitte.

Noch ein wichtiger Hinweis zu den Preisnachlässen: Werden diese aufgrund einer vertraglichen Änderung nach dem Zeitpunkt der verfahrensrechtlichen Annahme der Zollanmeldung gewährt, können Sie diese nicht berücksichtigen.

Wie lassen sich Fehler bei der Zollwertberechnung nun vermeiden?

Neben der hohen Sachkenntnis ist hier definitv – vielleicht ein wenig unerwartet – die gut funktionierende innerbetriebliche Kommunikation zu nennen. Sie ist das Schmiermittel, um eine reibungslose Zusammenarbeit der einzelnen Unternehmensabteilungen zu gewährleisten. Es ist also äußerst wichtig, dass der Informationsfluss zwischen Auftragsbearbeitung, Kalkulation und Zoll- und Außenwirtschaftsabteilung nicht ins Stocken gerät und somit eventuell wichtige Informationen für den Zollwert auf der Strecke bleiben.

Also mein Tipp: Reden Sie lieber miteinander, bevor Sie dem Prüfdienst Rede und Antwort stehen müssen.